
Dr.‘in des. Mira Böing ist seit Juni bei der Montag Stiftung Urbane Räume für das Thema „Lernender Stadtteil“ zuständig. Als Stadtsoziologin hat sie sich in ihrer Dissertation mit der Frage nach unbeabsichtigten Folgen in partizipativen Prozessen der sozialen Stadtentwicklung beschäftigt.
Liebe Mira, warum beschäftigt sich die Montag Stiftung Urbane Räume mit dem Thema „Lernender Stadtteil“?
Wir machen die Erfahrung, dass unsere Initialkapital-Projekte lebendige und offene Lernorte sind. Dabei kommen verschiedene Arten von Bildung – formale, non-formale und informelle – zusammen. Ein Ziel unserer Projekte ist es, Räume und Kooperationen zu schaffen, die dazu beitragen, Bildungschancen gerechter zu verteilen. In Projekten wie dem BOB CAMPUS oder dem HONSWERK Remscheid spielten mehr Chancen auf Bildung von Beginn an eine zentrale Rolle. Ich darf nun genau das vertiefen, erforschen und weiterdenken.
Das Institut Welt:Stadt:Quartier hat für die Montag Stiftung Urbane Räume in einem Konzeptpapier fachliche Bezüge zu dem Thema „Lernenden Stadtteil“ aufbereitet. Welche Ansätze findest du besonders relevant für die weitere Entwicklungsarbeit?
Ich finde es besonders spannend, das Thema mit einem erweiterten Bildungsverständnis zu verknüpfen: Stadtteilbibliotheken (non-formal), Schulen (formal) und nachbarschaftliche Gemeinschaftsflächen (informell) haben gemeinsam großes Potenzial, Stadtteile zu Orten demokratischer Begegnung zu machen und individuelle Bildungschancen zu verbessern.
Welche Verbindungen kannst du persönlich zwischen den Themen und Fragestellungen aus der Stadtsoziologie, mit denen du dich in deiner Diss beschäftigt hast, und dem „Lernenden Stadtteil“ ziehen?
In meiner Doktorarbeit habe ich mich damit beschäftigt, warum es für marginalisierte Gruppen oft schwer ist, bei der Stadtentwicklung mitzumachen – ähnlich wie im Bildungssystem, wo sie ebenfalls auf strukturelle Barrieren treffen. Jetzt finde ich es spannend, diese beiden Blickwinkel aus der Stadt- und Bildungssoziologie in der Praxis zu verbinden. Aus meiner Forschung bringe ich außerdem eine neugierige, beobachtende Haltung mit, die ich nun in meine Arbeit zum Thema „Lernender Stadtteil“ einfließen lasse.
Foto: Mira Böing
